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Neutral, stark oder schwach: Welcher Griff passt wirklich zu dir?

AriaAria
⏱ 7 Min. Lesezeit

Der Griff ist das Einzige, das dich mit dem Schläger verbindet – und trotzdem redet kaum jemand ernsthaft darüber. Ich hab alle drei Griffarten ausprobiert, verstanden warum mein Ball immer rechts landete, und erkläre dir jetzt, was wirklich zählt.

Neutral, stark oder schwach: Welcher Griff passt wirklich zu dir?

Es war ein Dienstagabend, ungefähr 22:30 Uhr, ich lag mit meinem Laptop auf der Couch und schaute mir zum dritten Mal ein YouTube-Video über den perfekten Griff an. Mein Kaffee war schon kalt. Bruno schief neben mir.

Und plötzlich – klick. Ich hatte es endlich verstanden.

Warum mein Ball immer leicht nach rechts abdriftete. Warum mein Pro mir seit Wochen sagte, ich solle „mehr Gefühl in die linke Hand" bringen. Warum ich dachte, das Problem liege im Schulterdrehen, im Hüfteinsatz, im Standbild – aber in Wirklichkeit alles am Griff lag.

Der Griff ist das Fundament von allem. Und er bekommt viel zu wenig Aufmerksamkeit.


Warum der Griff so entscheidend ist

Lass mich das kurz in Designsprache sagen: Der Griff ist dein Interface. Die einzige physische Verbindung zwischen dir und dem Schläger. Wenn dieses Interface schlecht kalibriert ist, helfen dir auch die teuersten Custom-fit-Eisen der Welt nicht weiter.

Was der Griff beeinflusst:

  • die Schlagface-Position im Treffmoment (offen, geschlossen, square)
  • deine Handgelenksrotation durch den Swing
  • wie viel Kraft du übertragen kannst ohne die Kontrolle zu verlieren
  • ob dein Ball nach links (Hook/Draw) oder rechts (Slice/Fade) fliegt

Das Lustige: Die meisten Anfänger haben einen zu schwachen Griff und fragen sich dann, warum sie slicen. Und dann versuchen sie, den Slice mit dem Körper zu korrigieren – und machen damit alles schlimmer.


Die drei Griffarten – einfach erklärt

Ich erkläre das anhand der linken Hand (für Rechtshänder). Die Position dieser Hand bestimmt, wie du deinen Griff klassifizierst.

1. Der neutrale Griff

So erkennst du ihn: Wenn du den Schläger greifst und auf deine linke Hand schaust, siehst du zwei Knöchel (Zeige- und Mittelfinger). Das „V", das Daumen und Zeigefinger bilden, zeigt in Richtung rechte Schulter.

Was er macht: Neutrale Handgelenkslage im Treffmoment – die Schlagface zeigt idealerweise direkt auf das Ziel. Keine übermäßige Rotation in keine Richtung.

Für wen: Der klassische Ausgangspunkt. Wenn du noch kein klares Ballflugmuster hast, startest du hier. Auch gut für alle, die einen konsistenten, geraden Schlag anstreben.

Meine Erfahrung: Als ich nach meiner Golf-Pause in Berlin wieder anfing, hat mein Pro mich zuerst auf neutral gesetzt. Langweilig? Vielleicht. Aber der Schläger hat zum ersten Mal gefühlt wie ein Verlängerung meines Arms – nicht wie ein Fremdkörper.


2. Der starke Griff

So erkennst du ihn: Du siehst drei bis vier Knöchel deiner linken Hand. Das V zeigt zur rechten Schulter oder sogar darüber hinaus, Richtung rechtes Ohr.

Was er macht: Die Hand ist beim Greifen stärker nach rechts rotiert. Das führt dazu, dass die Schlagface im Treffmoment tendenziell geschlossen ist – der Ball fliegt nach links (Draw oder Hook).

Für wen: Ideal für Spieler mit einem ausgeprägten Slice-Problem. Der starke Griff hilft, die Schlagface zu schließen, ohne aktiv „nachzuhelfen" durch Handgelenksrotation. Auch viele Profi-Spieler nutzen einen leicht starken Griff – Dustin Johnson ist das bekannteste Beispiel mit einem extrem starken Griff.

Vorsicht: Wenn du schon zu einem Draw/Hook neigst und dann noch stärker greifst, wird's unschön. Ich hab das mal kurz ausprobiert. Mein Ball hat eine Linkskurve gemacht, die ehrlich gesagt beeindruckend war – aber nicht in die Richtung, die ich wollte.


3. Der schwache Griff

So erkennst du ihn: Du siehst einen oder gar keinen Knöchel. Das V zeigt zum Kinn oder sogar zur linken Schulter.

Was er macht: Die Hand ist nach links rotiert. Die Schlagface bleibt im Treffmoment tendenziell offen – der Ball fliegt nach rechts (Fade oder Slice).

Für wen: Selten als Ausgangspunkt empfohlen, aber in bestimmten Situationen hilfreich: Spieler mit einem ausgeprägten Hook können damit gegensteuern. Manche Spieler nutzen bewusst einen leicht schwachen Griff für kontrollierte Fades.

Meine Meinung: Wenn du als Einsteiger/in slicest und ich dir sage, du greifst zu schwach – dann bitte: Rotier die Hände einfach etwas nach rechts. Das ist buchstäblich alles. Keine neuen Schuhe nötig, keine Trainingsstunde.


Die Griffarten auf einen Blick

Griffart Sichtbare Knöchel (links) V zeigt zu Schlagface im Treffmoment Ballflug-Tendenz
Schwach 1 oder 0 Kinn / linke Schulter Offen Fade / Slice
Neutral 2 Rechte Schulter Square Gerade
Stark 3–4 Rechtes Ohr Geschlossen Draw / Hook

Wie du deinen eigenen Griff checkst – jetzt sofort

Aria macht eine Kreativpause in ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg – ein ruhiger Moment zwischen Design-Projekten

Zwischendurch kurz raus aus dem Tunnel – manche Dinge verstehe ich am besten, wenn ich aufgehört habe, sie zu erzwingen. Den richtigen Griff hab ich an einem solchen Abend endlich gecheckt.

Du brauchst dafür weder einen Platz noch einen Pro. Nur einen Schläger und einen Spiegel (oder dein Handy als Spiegel-App).

Schritt 1: Nimm deinen Schläger wie gewohnt. Kein Nachdenken, einfach so wie du es immer machst.

Schritt 2: Schau von oben auf deine linke Hand. Zähl die Knöchel. Wo zeigt das V?

Schritt 3: Vergleich mit der Tabelle oben. Und dann: Passt das zu deinem Ballflug?

Wenn du slicest und nur einen Knöchel siehst – da ist dein Problem. Nicht dein Schulterdrehen. Nicht dein Standbein. Dein Griff.

Schritt 4: Rotiere deine linke Hand leicht nach rechts (Richtung stark), bis du zwei bis drei Knöchel siehst. Greif dann mit rechts normal dazu. Und dann → ab auf den Platz oder die Driving Range.


Häufige Fehler, die ich selbst gemacht habe

Fehler 1: Den Griff zu fest halten. Klingt banal, ist es aber nicht. Ein zu fester Griff blockiert die natürliche Handgelenksrotation. Faustregel: 5 von 10 auf der Druckskala. Stell dir vor, du hältst eine Tube Zahnpasta – sie darf sich nicht zusammendrücken.

Fehler 2: Nur die linke Hand korrigieren, rechts vergessen. Beide Hände müssen harmonieren. Ein häufiger Fehler: starke Linkshand, schwache Rechtshand → die Hände kämpfen gegeneinander. Mein Pro nannte das „Griff-Drama". Treffend.

Fehler 3: Den Griff immer wieder anfassen und anpassen. Wenn du einmal greifst, ist greifst du. Kein Nachrutschen, kein Nachjustieren. Finger positionieren, fixieren, schwingen.

Fehler 4: Den Griff als einmalige Entscheidung sehen. Dein Griff darf sich mit deinem Spiel weiterentwickeln. Was im ersten Jahr funktioniert, ist vielleicht in Jahr drei nicht mehr optimal. Check ihn regelmäßig.


Das richtige Equipment hilft dabei

Ein Griff ist auch buchstäblich ein Griff – also der Gummi oben am Schläger. Wenn der abgenutzt, verhärtet oder zu dick/dünn für deine Hände ist, wird jede Technik schwieriger.

Griffdicke: Zu dünne Griffe fördern zu viel Handaktivität → mehr Hook-Gefahr. Zu dicke blockieren das Handgelenk → mehr Slice. Standard-Griffe sind für eine durchschnittliche Handgröße, aber nicht für jede Hand.

Griff-Regripping: Einmal im Jahr, oder wenn du merkst, dass der Griff glatt wird. Kostet wenig, verändert viel.

Gute Optionen für neue Griffe oder Griffbänder (zum Selber-Regrip-Üben): → Golf-Griffe auf Amazon.de (Affiliate-Link – kleine Provision wenn du kaufst, kein Mehrpreis für dich)

Und wenn du die Grifftechnik auch optisch üben möchtest – ein Schwungtrainer mit Griffmarkierung ist ein unterschätztes Tool: → Golf Schwungtrainer mit Griffhilfe (Affiliate-Link – kleine Provision wenn du kaufst, kein Mehrpreis für dich)


Mein ehrliches Fazit

Ich hab lange geglaubt, Swing-Verbesserungen kommen vom Körper – mehr Rotation, bessere Hüftarbeit, stabiles Standbein. Stimmt alles. Aber der Griff ist früher dran. Er setzt die Rahmenbedingungen für alles, was danach kommt.

Wenn ich heute auf die Driving Range gehe und merke, dass die Bälle nicht da landen, wo sie sollen, ist der erste Check: Wie greifen meine Hände? Oft reicht eine kleine Anpassung, und plötzlich fliegt der Ball wieder dorthin, wo ich hinschaue.

Der Griff ist langweilig. Der Griff macht keinen guten Content. Niemand filmt seinen Griff und postet ihn mit einem Sonnenuntergang im Hintergrund.

Aber der Griff entscheidet. Jeden. Einzelnen. Schlag.

Es ist 23 Uhr. Ich übe gerade Putting im Wohnzimmer und halte den Putter mit verschiedenen Griffen. Bruno schläft schon. Morgen früh Abschlag. Heute Nacht – verstehen.

Ich nehme Golf ernst. Mich selbst – eher nicht immer. Aber den Griff? Den nehme ich sehr ernst.


Hast du schon mal bewusst deinen Griff geändert? Schreib mir gerne in den Kommentaren oder auf Instagram – ich bin neugierig, welcher Grifftyp du bist.

Themen:GrifftechnikSwing-TippsEinsteigerGrundlagenSchlagtechnikBallflug
Aria
Verfasst von Aria

Aria ist IndiGolfs Golf-Lifestyle-Guide – UX Designerin, Handicap 18, Berlin. Immer auf der Suche nach dem nächsten großartigen Platz. Dieser Beitrag kann Affiliate-Links enthalten – wir verdienen eine kleine Provision, wenn du darüber kaufst, ohne Mehrkosten für dich.