Drei Calls vor dem Abschlag, Laptop im Hotelzimmer, abends den Sonnenuntergang über dem Fairway – klingt utopisch, funktioniert aber. Ich zeige dir, wie ich meine Golf-Trips so plane, dass weder meine Kunden noch mein Handicap leiden.
Golf-Trip als Freelancerin planen: Wie ich Arbeit, Platz und Reise wirklich unter einen Hut bringe
Es gibt diesen Moment, kurz bevor man bucht. Der Tab mit dem Golf-Resort ist offen, der Preis ist okay, das Wetter in Portugal im Mai ist perfekt. Und dann kommt der innere Buchhalter: Aber du hast doch den Projektabgabe. Und den Call mit Amsterdam. Und eigentlich…
Ich kenne diesen Moment sehr gut. Und ich habe gelernt, ihn zu ignorieren – aber mit System.
Vier Golf-Trips pro Jahr sind für mich keine Luxus-Eskapaden, sondern ein echtes Planungsprojekt. Als Freelancerin ohne festes Büro, mit Kunden in drei Zeitzonen und einem Handicap, das noch Arbeit braucht, habe ich über die letzten zwei Jahre eine Methode entwickelt, die tatsächlich funktioniert. Keine Ratschläge à la „kommuniziere einfach gut mit deinen Kunden" – das weißt du selbst. Ich meine echte, konkrete Strukturen.
Warum die meisten Golf-Trips von Freelancern scheitern – noch bevor sie beginnen
Das Problem ist nicht die Reise. Das Problem ist die fehlende Trennlinie zwischen Arbeitsmodus und Urlaubs-/Golfmodus. Ich kenne Freelancer, die mit dem Laptop auf der Driving Range sitzen und trotzdem weder vernünftig arbeiten noch vernünftig schlagen. Das Schlimmste aus beiden Welten.
Mein Fehler in den ersten Trips: Ich hatte keinen Plan, sondern nur eine Hoffnung. „Es wird sich schon irgendwie ausgehen."
Spoiler: Es geht sich nicht aus. Du spielst entweder schlechter Golf als zuhause (weil du dauernd aufs Handy schaust) oder du lieferst schlechtere Arbeit als im Berliner Café (weil du eigentlich auf dem Platz sein willst). Beides frustrierend.
Mein System: Die 3-Phasen-Planung
Phase 1: Die Vorbereitung (3–4 Wochen vorher)
Kunden-Kommunikation nach vorne holen. Ich informiere meine Kunden nicht eine Woche vorher, sondern einen Monat. Nicht als Bitte, sondern als Information: „In der Woche vom [Datum] arbeite ich von [Ort]. Meine Kernzeiten sind 8–13 Uhr. Calls bitte bis 12 Uhr buchen."
Das klingt selbstbewusster als es sich anfühlt – aber genau das ist der Punkt. Kunden respektieren Freelancer, die ihre Zeit strukturieren. Was sie nicht respektieren: vage „ich bin irgendwie verfügbar"-Ansagen.
Deadlines aktiv verschieben oder vorziehen. Ich schaue mir an, was in der Trip-Woche fällig ist, und erledige es entweder in der Woche davor oder verschiebe es explizit auf die Woche danach. Kein Rätselraten, kein letzter Moment.
Platzzeiten zuerst buchen. Das klingt verrückt, aber ich buche Tee-Times bevor ich alles andere organisiere. Nicht danach. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst – und die besten Abschlagzeiten auf beliebten Plätzen in Portugal oder Spanien sind zwei bis drei Wochen im Voraus weg.
Phase 2: Die Unterkunft – kein Detail ist unwichtig
Das Hotelzimmer ist nicht nur Schlafplatz. Es ist dein temporäres Büro. Und hier mache ich keine Kompromisse mehr.
Was ich bei der Unterkunft checke:
| Kriterium | Warum es zählt |
|---|---|
| Schreibtisch mit Tageslicht | Videocalls ohne Höhlenästhetik |
| Stabiles WLAN (nicht „WLAN vorhanden") | Speed-Test-Bewertungen auf Booking.com lesen |
| Check-in vor 14 Uhr möglich | Damit ich nachmittags spielen kann |
| Kühlschrank im Zimmer | Meal Prep spart Mittag-Zeit |
| Nähe zum Platz (max. 15 Min.) | Kein Zeit-Killer durch Anfahrt |
Ich buche meistens über Booking.com, lese aber grundsätzlich die Bewertungen nach dem Stichwort „WLAN" durch. Was in den Bewertungen steht, ist ehrlicher als jede Hotelbeschreibung.

Tipp, den ich erst nach zwei Fehltrippen gelernt habe: Frag beim Hotel explizit nach, ob du das Zimmer als „Late Checkout" behalten kannst, falls dein Flug abends geht. Viele Hotels machen das für einen kleinen Aufpreis oder sogar kostenlos in der Nebensaison. Das gibt dir einen entspannten letzten Tag – statt Koffer in der Lobby und Laptop auf den Knien.
Phase 3: Die Wochenstruktur vor Ort
Das ist der Teil, bei dem sich alles entscheidet.
Mein Standard-Tagesplan auf einem Golf-Trip:
- 7:00 Uhr: Schwarzer Kaffee, kurze Putting-Session im Zimmer (ja, auch im Hotel)
- 8:00–12:30 Uhr: Deep Work Block. Keine Meetings, keine Unterbrechungen.
- 12:30–13:00 Uhr: Calls, wenn nötig. Danach harter Cut.
- 13:30 Uhr: Mittagessen – leicht, kein schwerer Lunch der mich auf dem Platz schläfrig macht
- 14:00–18:00 Uhr: Golf. Komplett offline.
- 18:30 Uhr: Kurze Nachrichten checken, ggf. antworten
- 19:00 Uhr: Abendessen, Wein, Sonnenuntergang. Das war's für heute.
Der entscheidende Punkt: Golf ist kein Belohnungssystem für erledigte Arbeit. Golf ist ein fester Termin. Genauso wie der Kunden-Call um 10.
Die Ausrüstung, die meinen Trips das Leben leichter macht
Ich habe über die Zeit gelernt, was ich wirklich brauche – und was ich zuhause lassen kann.
Was immer mit:
Mein Noise-Cancelling-Kopfhörer ist unverzichtbar – ob im Flugzeug, im Hotel-Coworking oder wenn die Klimaanlage im Zimmer klingt wie ein Rasenmäher. Ich nutze die Sony WH-1000XM-Serie schon seit zwei Jahren. Sony WH-1000XM5 Noise Cancelling Kopfhörer ansehen (Amazon-Affiliate-Link – kleine Provision wenn du kaufst, kein Mehrpreis für dich)
Ein kompakter Laptop-Rucksack, der gleichzeitig als Handgepäck durchgeht, spart mir den Aufgabe-Stress. Ich nehme meinen Golf-Koffer als aufgegebenes Gepäck, den Laptop-Bag als Handgepäck. Laptop-Rucksack Handgepäck geeignet (Amazon-Affiliate-Link – kleine Provision wenn du kaufst, kein Mehrpreis für dich)
Und weil ich auf dem Platz keine Zeit mit Entfernungsraten verschwenden will, nehme ich meinen Entfernungsmesser überall mit:
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Destination-Planung: Wo Arbeit und Golf wirklich zusammenpassen
Nicht jedes Golf-Ziel eignet sich gleich gut für Workation-Trips. Meine ehrliche Einschätzung nach eigener Erfahrung:
Portugal (Algarve / Lissabon-Region): Mein klarer Favorit. Zeitzone identisch mit Mitteleuropa in der Sommerzeit (+1h), Infrastruktur exzellent, WLAN-Standard in Hotels überraschend gut. Plätze wie Vale do Lobo oder Vilamoura sind weltklasse.
Spanien (Costa del Sol / Madrid-Umgebung): Ähnliche Zeitzone, günstigere Unterkunftspreise, etwas mehr Hitze im Sommer – ich plane Abschläge dann bewusst auf 16:30 Uhr.
Schottland: Auf meiner Liste, aber ehrlich gesagt ein schlechtes Workation-Ziel für mich – das Licht ist zu gut, ich will nur draußen sein. Dafür lieber reine Urlaubs-Woche einplanen.
Japan: Mein großer Traum. Zeitzone +8h macht Workation-Strukturen komplizierter, ist aber machbar, wenn Kunden in Mitteleuropa nachmittags ihre Kernzeiten haben (= Japan früher Morgen).
Das, was mir niemand vorher gesagt hat
Gib dir einen Puffer-Tag. Ich reise immer einen Tag vor dem ersten Arbeitstag an. Kein Meeting am Anreisetag, nie. Der Koffer, der zu spät kommt, der Flug mit Verspätung, das Zimmer das erst um 15 Uhr fertig ist – irgendetwas passiert immer. Dieser Puffer-Tag hat mir mehr Nerven gerettet als jedes Organisations-Tool.
Sprich mit dir selbst über Erwartungen. Klingt seltsam, meine ich aber ernst: Was willst du von diesem Trip? Wirklich erholen? Dein Spiel verbessern? Einen Platz von der Liste streichen? Das beeinflusst, wie du die Woche strukturierst. Auf meinem letzten Portugal-Trip wollte ich bewusst weniger arbeiten und mehr spielen – also habe ich Kunden gebrieft, zwei Projekte vorgezogen, und mir nur drei Arbeitsstunden täglich erlaubt. Es hat funktioniert.
Das Handicap leidet auf Reisen ein bisschen – und das ist okay. Neue Plätze, fremde Greens, andere Gräser. Ich spiele auf Reisen fast immer schlechter als zuhause. Inzwischen genieße ich das. Es ist eine andere Art, Golf zu spielen – neugieriger, entspannter, weniger leistungsorientiert. Das Berliner Handicap kommt zurück, wenn ich zurückkomme.
Fazit: Das ist kein Kompromiss, sondern ein Upgrade
Golf-Trips als Freelancerin sind kein Kompromiss zwischen Arbeit und Urlaub. Mit der richtigen Vorbereitung sind sie beides gleichzeitig – und dabei mehr wert als zwei getrennte Versionen davon.
Ich nehme Golf ernst. Mich selbst – eher nicht immer. Und genau das macht diese Trips zu dem, was sie sind: produktiv, sinnvoll, und mit einem Grinsen das mindestens drei Wochen anhält.
Der nächste Trip ist übrigens schon gebucht. Portugal, September. Tee-Time: 14:15 Uhr. Calls: bis 13:00 Uhr. Danach bin ich nicht mehr erreichbar. Aber das wissen meine Kunden ja schon.

Aria ist IndiGolfs Golf-Lifestyle-Guide – UX Designerin, Handicap 18, Berlin. Immer auf der Suche nach dem nächsten großartigen Platz. Dieser Beitrag kann Affiliate-Links enthalten – wir verdienen eine kleine Provision, wenn du darüber kaufst, ohne Mehrkosten für dich.
