Der Griff ist das Einzige, was dich mit dem Schläger verbindet – und trotzdem redet kaum jemand ehrlich darüber. Ich hab alle drei Varianten ausprobiert, eine Menge Bälle links geschickt und dabei ziemlich viel gelernt. Hier ist, was wirklich hilft.
Neutral, stark oder schwach: Welcher Griff wirklich zu dir passt
Es war ein Dienstagabend auf der Driving Range in Pankow. Ich hatte eine Stunde Zeit, mein 7-Eisen hasste mich, und jeder zweite Ball flog nach links, als würde er mich persönlich beleidigen wollen.
Mein Trainer kam vorbei, schaute kurz auf meine Hände – und sagte nur: „Zeig mir deinen Griff."
Drei Sekunden Stille.
„Ah. Da ist dein Problem."
Spoiler: Es war der Griff. Es ist eigentlich fast immer der Griff.
Warum der Griff so unterschätzt wird
Der Griff ist das Einzige, was dich mit dem Schläger verbindet. Kein anderer Teil deines Swings hat so direkten Einfluss auf die Schlägerfläche beim Aufprall – und damit auf alles: Ballflug, Richtung, Spin, Gefühl.
Trotzdem wird er bei Anfängern fast immer übersprungen. Man greift einfach. Man hält das Ding fest. Man schlägt drauf. Verständlich – aber teuer.
Die gute Nachricht: Einmal verstanden, ändert sich der Griff in einer Trainingseinheit. Und du wirst es sofort spüren.
Die drei Griffvarianten – was sie bedeuten
Bevor ich erkläre, welcher Griff was bewirkt, kurz die Orientierungshilfe: Bei einem Rechtshänder schauen wir immer auf die linke Hand (die obere Hand). Das ist die Steuerhand. Alles dreht sich um sie.
Der neutrale Griff
Erkennungszeichen: Du siehst genau zwei Knöchel deiner linken Hand, wenn du auf den Schläger hinunterschaust. Das V, das Daumen und Zeigefinger bilden, zeigt Richtung rechte Schulter.
Das ist der Griff, den du in jedem Lehrbuch findest. Er ist der Ausgangspunkt, von dem aus alles andere gemessen wird.
Was er bewirkt: Der neutrale Griff gibt dir die meiste Kontrolle über eine gerade Schlägerfläche beim Aufprall. Kein übermäßiges Schließen, kein Öffnen – die Fläche zeigt dorthin, wohin du zielst.
Für wen er passt: Für alle, die einen relativ vollständigen, aktiven Körperdrehung im Swing haben. Wenn deine Hüfte gut durchdreht, kann die Schlägerfläche problemlos quadratisch ankommen.
Mein Fehler damals: Ich hatte einen neutralen Griff, aber meine Körperdrehung war zu langsam. Ergebnis: Die Schlägerfläche war beim Aufprall leicht offen – und jeder Ball landete rechts vom Ziel. Ein zu schwacher Griff für meinen Swing, obwohl er theoretisch „korrekt" war.
Der starke Griff
Erkennungszeichen: Du siehst drei oder sogar vier Knöchel der linken Hand. Das V zeigt Richtung rechte Schulter oder sogar weiter nach rechts. Die Hand ist also im Uhrzeigersinn gedreht.
„Stark" bedeutet hier nicht Kraft – sondern Position. Verwirrende Terminologie, ich weiß.
Was er bewirkt: Ein starker Griff schließt die Schlägerfläche natürlich beim Durchschwingen. Das heißt: Die Fläche zeigt beim Aufprall leicht nach links – was einen Draw oder sogar einen Hook produziert.
Für wen er passt:
- Golfer mit langsamerer Körperdrehung (die Hände „schließen" die Fläche, wenn der Körper es nicht tut)
- Spieler, die tendenziell einen Fade oder Slice schlagen – ein stärkerer Griff kann das korrigieren
- Spieler mit weniger Handgelenkflexibilität
Das unterschätzte Plus: Viele Amateurspieler, die ständig slicen, brauchen keinen anderen Swing – sie brauchen einen stärkeren Griff. Wirklich. Testit einmal auf der Range, bevor du an deiner Körperdrehung bastelst.
Der Haken: Ein zu starker Griff kann Hooks produzieren und macht es schwerer, absichtlich einen Fade zu spielen.
Der schwache Griff
Erkennungszeichen: Du siehst nur einen Knöchel oder gar keinen der linken Hand. Das V zeigt Richtung Kinn oder linke Schulter. Die Hand ist gegen den Uhrzeigersinn gedreht.
Was er bewirkt: Ein schwacher Griff öffnet die Schlägerfläche beim Durchschwingen. Das begünstigt einen Fade oder – bei Übertreibung – einen Slice.
Für wen er passt:
- Fortgeschrittene Spieler, die absichtlich einen Fade formen wollen
- Spieler mit sehr aktiven, schnellen Händen, die sonst zu einem Hook neigen
- Manchmal beim Pitching oder Bunker-Spiel sinnvoll, um die Fläche offen zu halten
Ehrlich gesagt: Als Handicap-18-Spielerin würde ich niemanden mit einem schwachen Griff anfangen lassen. Das Fehlerbild ist fast immer ein Slice – und davon hat der durchschnittliche Anfänger schon genug, ohne dass wir ihn noch einladen.
Selbsttest: So findest du deinen aktuellen Griff
- Nimm deinen Schläger wie du es normalerweise tust – ohne nachzudenken
- Schau auf deine linke Hand von oben
- Zähle die sichtbaren Knöchel (Zeigefinger bis kleiner Finger)
- Vergleiche mit den Beschreibungen oben
Dann: Schlag zehn Bälle und beobachte, wohin sie fliegen.
| Ballflug | Wahrscheinliche Ursache |
|---|---|
| Immer links (Hook/Draw) | Griff zu stark – oder zu stark für deinen Swing |
| Immer rechts (Fade/Slice) | Griff zu schwach – oder zu schwach für deinen Swing |
| Gerade, aber du musst aktiv „drehen" | Griff könnte stärker sein |
| Gerade, entspannt | Du hast deinen Griff schon gefunden |
Was das mit „deinem" Swing zu tun hat
Hier ist die Sache, die mir mein Trainer erklärt hat – und die ich seitdem nicht mehr vergessen habe:
Es gibt keinen universell richtigen Griff. Es gibt den richtigen Griff für deinen Swing.
Ein Spieler mit langsamer Körperdrehung und starkem Griff kann wunderschöne gerade Schläge produzieren. Ein Spieler mit schneller, aggressiver Körperdrehung braucht vielleicht einen neutralen oder sogar schwachen Griff, damit er nicht ständig nach links zieht.
Der Griff ist kein isolierter Faktor – er ist ein Ausgleichsmechanismus für alles andere, was du tust.
Das macht es kompliziert. Aber auch befreiend: Wenn deine Schläge hartnäckig in eine Richtung gehen, fang mit dem Griff an. Es ist die einfachste Variable. Keine Körperbewegung ändern, kein neuer Schläger – einfach die Hände ein bisschen drehen.
Praktische Übung für zu Hause
Ich übe das wirklich zu Hause. Putting-Matte, Spiegel an der Seite, schwarzer Kaffee.
Die 10-Minuten-Griff-Routine:
- Griff bewusst aufnehmen: Schläger hinlegen, linke Hand zuerst – Knöchel zählen. Dann rechte Hand anlegen, Vs prüfen.
- Fünf Mal locker greifen und loslassen: Muskelerinnerung aufbauen, nicht Krampf einüben
- Vor dem Spiegel checken: Siehst du, was du siehst? Kamera-App als Spiegel funktioniert auch.
- Druckverhältnis testen: Der Griff sollte fest genug sein, dass der Schläger nicht wegfliegt – locker genug, dass ein Vogel unter deinen Händen überleben würde. (Golf-Klassiker, funktioniert aber wirklich als Bild.)
Wenn du regelmäßig zuhause mit dem Schläger in der Hand stehst, empfehle ich ein ordentliches Grifftraining-Set oder einfach einen guten Grifftrainer:
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Die Dinger sehen komisch aus, aber sie helfen wirklich dabei, Handposition und Druck zu internalisieren – besonders wenn du keinen wöchentlichen Unterricht hast.
Noch ein Tipp: Griff und Griffe (das Material)
Kurzer Ausflug in die Hardware: Wenn dein Griff am Schläger selbst abgenutzt, hart oder rutschig ist, wird dein Griffdruck automatisch zu hoch. Das verkrampft die Unterarme, kostet Schwunggeschwindigkeit und macht präzise Handarbeit fast unmöglich.
Neue Griffe (das Material, nicht die Technik) kosten 5–15 Euro pro Stück und sollten ein- bis zweimal pro Saison gewechselt werden, wenn du regelmäßig spielst.
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Das Wichtigste in drei Sätzen
Ein neutraler Griff ist der Ausgangspunkt für alle mit aktivem, komplettem Swing. Ein starker Griff hilft, wenn du slicest oder deine Körperdrehung langsamer ist. Ein schwacher Griff ist für Fortgeschrittene, die absichtlich einen Fade formen wollen.
Fang mit neutral an. Beobachte, wohin deine Bälle gehen. Passe dann an – nicht blind nach Lehrbuch, sondern nach dem, was du siehst.
Ich hab das an jenem Dienstag in Pankow gelernt. Meinen Griff einen Tick stärker gemacht, fünf Bälle geschlagen – und zum ersten Mal seit Wochen kein einziger Slice.
Es ist 23 Uhr. Ich schaue gerade zum dritten Mal ein Video über Griffvarianten. Morgen mache ich auf der Range wahrscheinlich irgendwas falsch. But today I learned. 🏌🏽♀️

Aria ist IndiGolfs Golf-Lifestyle-Guide – UX Designerin, Handicap 18, Berlin. Immer auf der Suche nach dem nächsten großartigen Platz. Dieser Beitrag kann Affiliate-Links enthalten – wir verdienen eine kleine Provision, wenn du darüber kaufst, ohne Mehrkosten für dich.
