Der Griff ist das Einzige, was dich mit dem Schläger verbindet – und die meisten Golfer denken viel zu wenig darüber nach. Ich auch, bis mein Ball konsequent links im Rough landete und ich endlich verstanden habe, warum. Hier ist, was ich gelernt habe.
Neutral, stark oder schwach? So findest du den Griff, der wirklich zu deinem Swing passt
Ich erinnere mich noch genau an das Gespräch mit meinem Pro auf der Driving Range in Lissabon. Ich hatte gerade zum fünften Mal in Folge einen Hook in die Büsche geschlagen, und er schaute sich nicht meinen Schwung an. Er schaute auf meine Hände.
„Aria, dein Griff ist so stark, der Schläger will von alleine nach links drehen."
Das war einer dieser Momente, in denen man gleichzeitig erleuchtet und leicht beschämt ist. Ich hatte jahrelang an Hüftrotation und Standbein-Gewichtsverlagerung gearbeitet – aber der eigentliche Übeltäter war meine Griffhaltung. Seither bin ich ein bisschen besessen davon.
Und ich verspreche dir: Wenn du diesen Artikel liest und dann das nächste Mal einen Schläger in die Hand nimmst, wirst du deine Hände ganz anders wahrnehmen.
Was ist eigentlich ein „Griff" – und warum ist er so wichtig?
Der Begriff „Griff" meint hier nicht das Gummiteil am Schläger (obwohl der auch wichtig ist – dazu gleich mehr), sondern die Art und Weise, wie du deine Hände am Schläger positionierst.
Dein Griff bestimmt, wie die Schlägerfläche im Moment des Auftreffens ausgerichtet ist. Und damit bestimmt er maßgeblich, ob dein Ball geradeaus fliegt, nach links zieht oder nach rechts wegdriftet. Kein Standbein, kein Schulterschwung, keine Hüftrotation kann einen fundamental falschen Griff kompensieren – zumindest nicht dauerhaft und nicht reproduzierbar.
Es gibt drei Grundvarianten: den neutralen Griff, den starken Griff und den schwachen Griff. Lass mich alle drei erklären – und zwar so, dass du sie auch wirklich anwenden kannst.
Der neutrale Griff: Dein verlässlicher Ausgangspunkt
So erkennst du ihn
Beim neutralen Griff hältst du den Schläger so, dass du auf deiner linken Hand (für Rechtshänder) zwei Knöchel siehst, wenn du auf sie hinabschaust. Das „V", das Daumen und Zeigefinger bilden, zeigt ungefähr auf deine rechte Schulter. Die rechte Hand liegt parallel zur linken – auch ihr „V" zeigt zur rechten Schulter.
Was er bewirkt
Ein neutraler Griff fördert einen geraden Ballflug und lässt der Schlägerfläche die Möglichkeit, im Moment des Auftreffens quadratisch zu stehen – vorausgesetzt, der Rest deines Swings stimmt halbwegs.
Für wen ist er geeignet?
Für die meisten Golfer mit einem technisch soliden Swing ist der neutrale Griff ein hervorragender Ausgangspunkt. Er gibt dir das ehrlichste Feedback: Wenn der Ball trotzdem zieht oder faded, liegt es am Swing – nicht am Griff.
Ich selbst spiele mittlerweile einen leicht neutralen Griff, nachdem ich von meinem starken Griff wegkam. Der Übergang war komisch – gefühlte drei Wochen lang hatte ich das Gefühl, den Schläger loszulassen. Aber dann klickte es.
Der starke Griff: Mehr Rotation, mehr Kontrolle – oder mehr Hook?
So erkennst du ihn
Beim starken Griff siehst du auf deiner linken Hand drei bis vier Knöchel. Die Hand ist also im Uhrzeigersinn rotiert. Das „V" zeigt eher auf die rechte Schulter oder sogar dahinter. Die rechte Hand folgt entsprechend – ebenfalls weiter „unter" den Schläger gedreht.
Was er bewirkt
Ein starker Griff schließt die Schlägerfläche beim Durchschwingen tendenziell. Das bedeutet: Du erzeugst leichter Draw oder Hook. Für viele Golfer fühlt sich das kraftvoller an, weil die Unterarme beim Durchschwingen aktiver rotieren können.
Für wen ist er geeignet?
Interessanterweise spielen viele Tour-Pros – darunter Dustin Johnson in extremer Form – mit starkem Griff. Der Grund: Sie haben gelernt, die Schlägerfläche trotzdem zu kontrollieren.
Wenn du chronisch nach rechts spielst (als Rechtshänder) oder Probleme hast, den Ball zu schließen, kann ein stärkerer Griff helfen. Aber Vorsicht: Ein zu starker Griff, kombiniert mit einem Swing, der sowieso schon schließt – das ist das Rezept für konsequente Hooks. Ich war dort. Es ist kein schöner Platz.
Der schwache Griff: Fade-Freunde und Präzisionsjäger
So erkennst du ihn
Beim schwachen Griff siehst du auf deiner linken Hand nur einen Knöchel, manchmal gar keinen. Die Hand ist entgegen dem Uhrzeigersinn rotiert. Das „V" zeigt eher auf das Kinn oder sogar zur linken Schulter.
Was er bewirkt
Ein schwacher Griff öffnet die Schlägerfläche beim Durchschwingen tendenziell. Das erzeugt Fade oder Slice – den Ball, der nach rechts ausweicht. Für manche Spieler bedeutet das aber auch: mehr Kontrolle, weniger Rollout, mehr Spin bei kurzen Eisen.
Für wen ist er geeignet?
Wenn du chronisch hookst oder einen Swing hast, der sehr stark von innen nach außen kommt, kann ein schwächerer Griff ausgleichen. Außerdem spielen manche Golfer bewusst eine Fade – z.B. weil Fairways oft so gebaut sind, dass ein Fade mehr Sinn ergibt als ein Draw.
Ben Hogan war berühmt für seinen schwachen Griff, der ihm half, seinen natürlichen Hook zu eliminieren. Manche Dinge sind zeitlos.
Die schnelle Selbstdiagnose: Welchen Griff habe ich gerade?
Hier kommt das Praktische. Stell dich vor einen Spiegel oder bitte jemanden, ein Foto zu machen:
| Kriterium | Schwacher Griff | Neutraler Griff | Starker Griff |
|---|---|---|---|
| Sichtbare Knöchel (linke Hand) | 0–1 | 2 | 3–4 |
| „V"-Richtung (Daumen/Zeigefinger) | Kinn / linke Schulter | Rechte Schulter | Weit rechts der Schulter |
| Typischer Ballflug | Fade / Slice | Gerade | Draw / Hook |
| Typisches Problem | Ball fliegt zu weit rechts | Ausgeglichen | Ball fliegt zu weit links |
Wenn dein Ball konsequent in eine bestimmte Richtung zieht und du sicher bist, dass der Swing selbst nicht schuld ist – fang hier an. Verändere den Griff um einen halben bis ganzen Knöchel und beobachte, was passiert.
Ein Wort zum Griffdruck: Das unterschätzte Detail
Viele Leute verändern ihren Griff, aber halten den Schläger dabei so fest wie ein Lenkrad auf der Autobahn bei Sturm. Das neutralisiert jede Griffveränderung.
Die alte Faustregel: Stell dir vor, du hältst eine Tube Zahnpasta. Fest genug, dass sie nicht wegfällt – aber nicht so fest, dass sie rausdrückt. Oder mein persönlicher Lieblingsvergleich: ein Vogel, den du nicht zerquetschen, aber auch nicht fliegen lassen willst.
Locker in der Griffstärke, präzise in der Griffposition – das ist die Kombination.
Und die Ausrüstung? Griffe am Schläger auch mal prüfen
Jetzt zum buchstäblichen Griff am Schläger. Wenn dein Gummigriff abgenutzt, glatt oder hart ist, spielst du im Prinzip mit einem Sicherheitsrisiko. Du greifst fester, verkrampfst, und alles, was ich oben erklärt habe, geht den Bach runter.
Ich tausche meine Griffe einmal pro Saison aus – oder wenn ich merke, dass ich bei feuchten Bedingungen anfange, nachzugreifen. Wer viel spielt, dem empfehle ich alle 40–50 Runden einen Wechsel.
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Mein persönliches Fazit: Fang mit dem Neutralen an, experimentiere bewusst
Wenn du gerade nicht weißt, welchen Griff du haben solltest: Fang neutral an. Wirklich. Beobachte deinen Ballflug über mehrere Runden. Wenn der Ball konsequent in eine Richtung geht und du weißt, dass dein Swing eigentlich stimmt – dann dreh den Griff bewusst um einen halben Knöchel in die Gegenrichtung.
Was ich dir nicht empfehle: wild zwischen starkem und schwachem Griff zu wechseln, weil du gerade einen schlechten Tag hast. Der Griff braucht Zeit, um ins Muskelgedächtnis zu sinken. Ich habe drei Wochen gebraucht, bis sich mein neutraler Griff „normal" angefühlt hat. Heute fühlt er sich an wie Zuhause.
Und wenn du das nächste Mal auf dem Platz stehst – schau kurz auf deine Knöchel, bevor du den ersten Abschlag machst. Es dauert zwei Sekunden und kann den Unterschied zwischen Fairway und Rough bedeuten.
Dein Griff ist dein erstes Statement. Mach ihn bewusst. 🤍⛳

Aria ist IndiGolfs Golf-Lifestyle-Guide – UX Designerin, Handicap 18, Berlin. Immer auf der Suche nach dem nächsten großartigen Platz. Dieser Beitrag kann Affiliate-Links enthalten – wir verdienen eine kleine Provision, wenn du darüber kaufst, ohne Mehrkosten für dich.
